Weingut Böhme & Töchter
„Die Region liegt in der Natur unserer Weine.“
Marika und Sandro Sperk
Marika und Sandro Sperk
Böhme & Töchter gehört zu eine kleinen Gruppe von Betrieben, die das Bild von Saale-Unstrut in den vergangenen Jahren deutlich verändert haben. Das Weingut befindet sich in Gleina, etwas abseits der bekannteren Weinorte an der Unstrut, und wird heute von Marika (geb. Böhme) und ihrem Mann Sandro Sperk geführt. Seit 2022 ist der rund sechs Hektar große Familienbetrieb Mitglied im VDP. Die Anfänge reichen ins Jahr 1986 zurück, als Marikas Vater Frank Böhme gemeinsam mit seinem Vater Werner noch zu DDR-Zeiten die ersten eigenen Reben pflanzte. Wein war damit von Anfang an Familiensache. Marika und Sandro absolvierten später ihre weinbauliche Ausbildung in Geisenheim und sammelten Erfahrungen außerhalb der Region, bevor sie nach Gleina zurückkehrten. Gerade während dieser Zeit sei ihnen der Wert ihrer Heimat und des kleinen Familienbetriebs bewusst geworden. Gleina bezeichnen beide heute als einen „Rohdiamanten“, den es mit neuen Ideen weiterzuentwickeln gilt.
Das Zentrum des Weinguts bleibt dennoch ganz bewusst Gleina. Hier lebt die Familie, hier befindet sich der Keller, und von hier aus werden die Weinberge bewirtschaftet. Für die Spitzenweine zieht es Böhme & Töchter jedoch wenige Kilometer weiter nach Freyburg. Entscheidend ist dort der Schweigenberg, der zur Einzellage Freyburger Edelacker gehört. Die steilen, nach Süden ausgerichteten Terrassen sind von Muschelkalk geprägt, der teilweise bereits nach rund 50 Zentimetern auf gewachsenen Kalkstein trifft. Das milde, von der Unstrut beeinflusste Mikroklima und die wärmespeichernden Böden schaffen Bedingungen, unter denen sich selbst mediterrane Pflanzen wie wilder Thymian wohlfühlen. Die Weine zeigen entsprechend häufig eine Verbindung aus kalkiger Mineralität, feiner Frucht und kräutriger Würze.
Gerade die Burgundersorten spielen bei Böhme & Töchter eine besondere Rolle. Weißburgunder, Spätburgunder und vor allem Chardonnay sind für Marika und Sandro zentrale Rebsorten des Betriebs. Den Chardonnay pflanzte die Familie bereits 2008 mit einigem Pioniergeist in die anspruchsvollen Steillagen des Schweigenbergs. Heute gehört der Chardonnay aus dem Freyburger Edelacker zu den wichtigsten Weinen des Hauses. Für Sandro Sperk ist er jener Wein, der die Komplexität der Lage und deren Terroir besonders unmittelbar ins Glas transportiert.
Neben dem Edelacker bewirtschaftet die Familie weitere Weinberge rund um Freyburg und Gleina. Dazu gehört der Freyburger Mühlberg ebenso wie das Zscheiplitzer Himmelreich. Die unterschiedlichen Böden und Expositionen sollen dabei nicht nivelliert, sondern möglichst klar herausgearbeitet werden. Die Philosophie bringt Sandro Sperk mit dem Satz „Die Region liegt in der Natur unserer Weine“ auf den Punkt. Handarbeit und ein respektvoller Umgang mit den Weinbergen stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Suche nach einem eigenständigen Ausdruck von Saale-Unstrut.
Im Keller verbinden Marika und Sandro Erfahrungen der beiden Vorgängergenerationen mit einer deutlich moderneren Arbeitsweise. Edelstahl gehört weiterhin selbstverständlich zum Repertoire, gleichzeitig setzen sie zunehmend auf lange Maischestandzeiten, Spontangärung und den Ausbau in Eichenfässern. Vieles geschieht dabei weniger nach festem Rezept als nach Erfahrung und, wie Marika Sperk es formuliert, nach „Bauchgefühl“. Ziel sind keine technischen Musterweine, sondern trockene, geradlinige und strukturierte Gewächse, die vom Mikroklima und den Böden ihrer Herkunft erzählen.
Wichtige Impulse kamen dabei auch aus dem Austausch mit anderen ambitionierten Winzern der Region. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Winzergruppe Breitengrad51 habe geholfen, das eigene Profil zu schärfen und neue Ideen zu entwickeln. Tradition und Innovation verstehen Marika und Sandro ohnehin nicht als Gegensätze: Bewährtes Wissen aus der Familie wird mit neuen Techniken und eigenen Erfahrungen verbunden. Hinzu kommt eine familiäre Verbindung, die dafür gesorgt hat, dass das Design stimmt. Marikas Schwester ist mit dem Gründer eines Designstudios verheiratet.
Ihre Haltung zeigt sich auch jenseits des Kellers. Zu den kommenden Aufgaben zählt für die Familie die behutsame Sanierung des historischen Vierseitenhofs in Gleina. Gleichzeitig möchten Marika und Sandro zum Erhalt der aufwendigen Steilterrassenkultur an Saale und Unstrut beitragen – jener Kulturlandschaft also, die viele ihrer besten Weine überhaupt erst möglich macht.
Böhme & Töchter steht damit exemplarisch für das neue Selbstverständnis von Saale-Unstrut: verwurzelt in einer alten Weinlandschaft, aber keineswegs nostalgisch. Die Weine sind präzise, trocken und charaktervoll, oft von Kalk, Kräuterwürze und einer straffen Säure geprägt. Gleichzeitig zeigen sie, dass die Region weit mehr kann als filigrane, leichtgewichtige Weißweine. Gerade Chardonnay und die Burgundersorten besitzen hier inzwischen eine beeindruckende Tiefe und Eigenständigkeit.
© Fotos: Weingut Böhme & Töchter
Preise inkl. MwSt.